Mittwoch, 28. Oktober 2015

Was ist digitale Kunstgeschichte?

Digitale Kunstgeschichte ist vor allem noch in den Kinder­schuhen. Kurz gesagt geht es der digitalen Kunst­ge­schichte nicht nur um die Digitalisierung be­stehender Strukturen, sondern um die Chancen, die mit dieser Digitalisierung ent­stehen. Also einer­seits darum, be­stehende Erkenntnis­prozesse zu unter­stützten, anderer­seits ganz neue Methoden zu ent­wickeln.
Der Mehr­wert der digitalen Kunst­ge­schichte liegt darin, große Datenmengen zu ver­arbeiten. Vor allem Bild­daten: Der Computer kann mehr Bilder kennen als ein Mensch in seiner Lebens­zeit sehen kann.
Die Artemis-Datenbank nach Durchschnittshelligkeit sortiert
Haben wir überhaupt solche Daten­mengen? Prometheus hat bereits über 1,4 Millionen kunst­historische Bild­daten. Google Image Search kennt praktisch alle Bilder im Netz. Auf Facebook werden täglich mehr Bilder hoch­geladen, als die Malerei­ge­schichte je produziert hat. Ent­scheidend ist aber: Wir werden größere kunst­historische Corpora be­kommen und wir haben ein Interesse daran, sie selbst zu er­zeugen und zu organisieren.
Werden wir dann überhaupt noch das Original an­sehen müssen? Das tun wir heute schon selten. Ganz früher war es der Kupfer­stich, früher das Dia, das uns in der Re­produktion das Werk in Augen­schein brachte. Was früher galt, gilt weiter: Wir müssen uns ein mentales Bild­ge­dächtnis von Originalen schaffen. Der Computer als Hilfs­mittel kann uns aber helfen, dieses relevante Einzel­werk besser zu finden.
Macht der Computer bald unsere Job als Kunst­historiker? Das ist nicht das Ziel der digitalen Kunst­ge­schichte. Ziel ist es, den Forscher mit Computer­tools zu unter­stützen. Es wird sich aber der Job des Kunst­historikers ver­ändern, er wird mehr Kompetenzen in der Daten­analyse be­nötigen.
Ist das alles notwendig, kann nicht alles bleiben wie es ist? Die digitale Kunst­ge­schichte ist ein Zusatz, kein Ersatz klassischer Methoden. Das Digitale ist aber in der Welt und wird auch in das Fach Kunst­ge­schichte kommen. Deshalb müssen wir vor­bereitet sein und können heute ge­stalten, wohin die Reise geht.
Die digitale Kunst­ge­schichte ist eine Chance für die Kunst­ge­schichte.


Dr. Harald Klinke: Was ist Digitale Kunstgeschichte? from Munich Digital Art History on Vimeo.

Wer sich über die Entwicklung der digitalen Kunstgeschichte auf dem Laufenden halten möchte, verfolgt am besten die Publikationen des International Journal for Digital Art History und trägt sich dort für den Newsletter ein.

Dienstag, 13. Oktober 2015

Willkommen beim Seminar "Software für Kunsthistoriker" im Wintersemester 2015/16

Kunsthistoriker setzen in Forschung und Lehre zunehmend Software ein. Von der Textverarbeitung und Literaturverwaltung über Bildbearbeitung und Datenbanken bis hin zu Datenanalyse und Visualisierung gehören digitale Tools zur täglichen Arbeit. Dieses Seminar vermittelt Kenntnisse zur Computertechnik und Erfahrungen mit unterschiedlichen Anwendungen, die in verschiedenen Einsatzszenarien zur Anwendung kommen können.
Voraussetzung zur Teilnahme: Ein eigener Laptop und Interesse an Software und Webdiensten.

Das digitale Bild. Entwurf für ein DFG-Schwerpunktprogramm

Der Entwurf eines DFG-Schwerpunktprogramms (SPP) versteht sich als Aufruf zu einem Rundgespräch, bei dem relevante Projektentwürfe vorgestellt werden sollen. Dieses Rundgespräch findet vom 24. bis zum 26. Februar 2016 in Bonn statt.
Mehr Informationen: http://www.kunstgeschichte.uni-muenchen.de/forschung/digitalekg/digitales-bild1/index.html
Update: Frist verlängert bis 6.1.16! 

Google Charts

Die Kunstgeschichte erzeugt, verarbeitet und visualisiert zunehmend Daten. Um diese im Web zu veröffentlichen, hilft eine sehr einfaches Tool: Google Chart. Alternativen sind D3.js, Ploty oder CartoDB. Hier ein Beispiel, das zeigt, dass diese Visualisierungen auch in einen Webblog eingebunden werden können.